Das Geheimnis von Kreativität und Ideenfindung

Was unsere Vorstellungskraft angeht, so scheinen wir Menschen uns untereinander enorm zu unterscheiden. Aber die eigentliche Frage ist doch: Können wir diese Fähigkeit womöglich, wie andere Fähigkeiten auch, trainieren?

Die Wissenschaft ist sich da bisher noch nicht wirklich einig. Zumal sie auf – ihrer bisherigen Erkenntnis nach – im wesentlichen zwei verschiedene, wenn auch miteinander verbundene Arten der Vorstellungskraft verweist.

Nummer 1: Die schöpferische Vorstellungskraft

Schöpferische Vorstellungskraft ist das, was die meisten von uns normalerweise unter Kreativität verstehen – das Komponieren eines Musikstücks, Malerei oder eine bahnbrechende Erfindung. Diese Art unterscheidet sich deutlich von der eher alltäglichen Kreativität, wie sie z. B. beim pfiffigen Lösen eines Problems im Haushalt gefragt ist.

Wahre Inspiration ist bekanntermaßen schwer zu fassen und noch schwerer zu erklären. Kreativität zu trainieren oder sich selbst in einen kreativen Zustand zu versetzen, ist nichtsdestotrotz seit langem der sehnlichste Wunsch vieler Künstler wie auch Wissenschaftler.

Aber ist das wirklich möglich? Wir wissen, dass manche Menschen scheinbar von Natur aus eine ausgeprägte kreative „Ader“ haben, ausgeprägter jedenfalls als andere. Die Forschung glaubt allerdings Beweise dafür gefunden zu haben, dass sich diese Kreativität sowohl durch eine entsprechend förderliche Umgebung als auch durch harte Arbeit ausbauen lässt.

Experimentelle Studien haben beispielsweise gezeigt, dass Kinder selbst kreativer werden, wenn sie sich mit kreativen Inhalten beschäftigen oder andere beobachten, die besonders kreativ sind.

Was die schöpferische Vorstellungskraft angeht, unterscheidet man ebenfalls zwei Arten: „Divergentes Denken“ ist die Fähigkeit, sich eine Vielzahl von Ideen auszudenken, die alle irgendwie mit einem Hauptproblem oder -thema zu tun haben. Sie wird in der Regel durch Intuition unterstützt, etwas, das blitzschnell und sozusagen „automatisch“ funktioniert.

„Konvergentes Denken“ wird gebraucht, um die zuvor entstandenen Ideen auf ihre Nützlichkeit für das Hauptproblem oder -thema zu prüfen. Dieser Prozess wird von Analysen begleitet, was gemeinhin eher langsam abläuft, aber dazu führt, dass wir imstande sind, die richtige Idee auszuwählen.

Wenn du also ein Erfolg versprechendes Business-Konzept entwickeln oder einen richtig guten Roman schreiben willst, sagt sogar die Wissenschaft, dass dir ein entsprechender Kurs dabei helfen könnte.

Was die Wissenschaft übrigens ebenfalls herausgefunden hat: Die vielleicht wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung von wirklich GUTEN Ideen ist Erfahrung. Je länger man in einem Bereich gearbeitet und sich gedanklich damit beschäftigt hat, je mehr man also über einen Bereich gelernt hat – mehr noch: je mehr man sich getraut hat, Fehler zu machen, umso besser ist man in der Lage, intuitiv auf Ideen zu kommen und analytisch die richtige zu erkennen.

Beim kreativen Erfolg geht es also nicht so sehr darum, eine Muse zu haben, die dir zum richtigen Zeitpunkt die richtige Idee zuflüstert. Denn schon der berühmte Louis Pasteur sagte: „Das Glück begünstigt den vorbereiteten Geist“. Oder wie Pablo Picasso es ausdrückte: „Lerne die Regeln wie ein Profi, damit du sie wie ein Künstler brechen kannst.“

Nummer 2: Die fantastische Vorstellungskraft

Für viele Menschen ist die Fähigkeit, sich völlig auf eine einzige Idee zu konzentrieren, der Schlüssel zum erfolgreichen Abschluss eines jeden kreativen Projekts. Dafür brauchst du etwas, das Wissenschaftler als „fantastische Vorstellungskraft“ bezeichnen und das sich wahrscheinlich am besten mit der klassischen Fantasie vergleichen lässt. Diese Art der „Ausschließlichkeit funktioniert nämlich am besten in Verbindung mit Vorstellungen – oder sollte ich sagen: Tagträumen? – darüber, was alles möglich wird, wenn du dein Projekt zu einem richtig guten Abschluss gebracht hast. Ihre Neigung zur Phantasie und zur phantasievollen Vertiefung vorhersagen lässt.

Doch eben, weil diese fantastische Vorstellungskraft zu Tagträumen neigt und von Alltäglichkeiten ablenken kann, scheint sie – auf den ersten Blick – nicht sonderlich erstrebenswert zu sein.

Aber: Die Beschäftigung mit der Fantasie führt bei Kindern häufig zu einer deutlich gesteigerten kreativen Vorstellungskraft und zu einer erkennbar besseren Erzählfähigkeit. Bei Erwachsenen kann sie dazu beitragen, die Gedächtnisleistung, kreative Problemlösungen und sogar die allgemeine Planungsfähigkeit zu verbessern.

Im Klartext heiß das: Selbst „Tagträume“ können uns dabei helfen, aus unseren Fehlern zu lernen, indem wir uns beispielsweise alternative Vergangenheiten ausmalen oder uns unsere Zukunft vorstellen.

Fazit:

Wir alle verfügen in unterschiedlichem Maße über Fantasie, und es ist nur schwer vorstellbar, wo die Menschheit wäre ohne sie. Und selbst wenn du das Erfolgskonzept oder den Roman des Jahrzehnts noch unentdeckt in dir trägst, bleib dran und versuch es einfach weiter. Denn – wie gesagt: Es gibt viele Wege, die Kreativität zu fördern, wobei Spiel, Übung und Förderung entscheidend sind. Denn vielleicht wirst du dadurch sogar noch schlauer …