Wie eine Krise zur Chance wird

Ob wir wollen oder nicht, die eine oder andere Krise werden wir alle irgendwann meistern müssen. Kein Mensch ist gegen sie gefeit. Krisen sind beunruhigend. Sie machen uns Angst. Sie zwingen uns, Gewohnheiten aufzugeben und Denkmuster zu durchbrechen. Psycholog*innen sagen: Krisen rütteln uns wach, schütteln alles kräftig durch und zwingen jeden von uns, unliebsamen Wahrheiten direkt ins Gesicht zu sehen. Das nennt man „die Komfortzone verlassen“.

Zum Wesen einer jeden Krise gehört eine gewisse Unberechenbarkeit. Entweder, weil sie uns unvorbereitet trifft. Oder, weil wir häufig nicht absehen können, wie lange sie dauern wird und ob wir überhaupt imstande sein werden, sie zu überwinden.

Das eigentlich Verblüffende vieler Krisen aber ist eine fast magische Kraft, die ihnen innewohnt. Allerdings ist diese Kraft schwer zu finden. Und darum wird sie oft gar nicht entdeckt.

Während wir nämlich verzweifelt damit beschäftigt sind, gegen die Auswirkungen der Krise anzurudern, um irgendwie unser „altes Leben“ wieder herzustellen, wäre es oft viel hilfreicher, sich anzukucken, WAS genau die Krise beiseitefegt.

So eine Krise kann ja bekanntlich in jedem Lebensbereich ausgelöst werden. Es gibt die finanziellen, die beruflichen Krisen, Beziehungskrisen, gesundheitliche Krisen, psychologische Krisen und Sinnkrisen allgemein.

In der Regel werden wir am Anfang aufbegehren und dann – nach mehr oder weniger heftiger Gegenwehr – zunächst eine Phase des Selbstmitleids durchlaufen. Wir fühlen uns als Opfer, vom Schicksal gebeutelt und nicht selten von der ganzen Welt verlassen.

Tragischerweise braucht jeder Wandel eine gehörige Menge an innerer Motivation. Und eben die ist in einer solchen Stimmung verständlicherweise erst einmal schwer aufzubringen.

Was also tun? Wie geht man mit einer Krise am besten um?

1. Lass dir Zeit

Die Krise ist da. Hektisches Herumrudern wird dir nicht helfen. Versuch stattdessen, eine gewisse Ruhe zu bewahren. Panik führt höchstens zu Fehlern, die alles noch schlimmer machen.

2. Vermeide zusätzlichen Druck

Deine derzeitige Situation erzeugt schon Druck genug. Sei darum nachsichtig mit dir selbst. Begeh jetzt nicht den Fehler, dir Ultimaten zu stellen. Sag dir nicht: „Bis zu diesem oder jenen Zeitpunkt muss ich dieses oder jenes geschafft haben …“ Letztlich geht alles immer nur so schnell, wie’s geht.

3. Sei ehrlich mit dir selbst

Das wird nicht leicht sein. Es wird vermutlich wehtun. Aber jede Wahrheit, die du jetzt zu meiden versuchst, bildet den Grundstock für mögliche weitere Krisen. Lass das nicht zu!

4. Frage dich, was grundsätzlich falsch war

Die Erfahrung zeigt, das die eigentlichen Ursachen einer Krise nur selten in dem Lebensbereich liegen, in dem die Krise ausbricht. Bei den meisten Menschen kommen bei genauem Hinsehen ganz elementare „Schieflagen“ zum Vorschein. Beispiel: Geht die Beziehung einer Frau in die Brüche, hat sie auf den ersten Blick vielleicht zu lange dazu geschwiegen, dass ihr Partner seiner Karriere mehr Raum gab als ihr. Die Frage in einem solchen Fall wäre allerdings: Muss diese Frau „nur“ lernen, früher den Mund aufzumachen? Oder erwartet sie zu viel von einer Beziehung, weil in ihrem Leben etwas fehlt, dass ähnlich wichtig sein könnte?

Übrigens – das gilt natürlich auch umgekehrt: Wenn die Beziehung eines Mannes scheitert, weil er zu sehr mit seiner Karriere beschäftigt war und seine Partnerin dabei zu kurz kam, sollte er sich Folgendes fragen: Muss er künftig am Beginn einer Beziehung deutlich machen, dass der Beruf für ihn Priorität hat? Oder hält er Menschen, die ihm wichtig sind, immer auf Distanz, weil er in Wahrheit Angst vor Nähe hat?

Wie steht es mit dir: Welche Krisen musstest du schon meistern? Und wie hast du solche Phasen erlebt?