Schluss mit dem Vordirherschieben

Eigentlich kam es ganz und gar nicht überraschend. Schließlich wusste ich seit vier Wochen, dass die kleine Tochter einer Freundin am Wochenende Geburtstag haben würde. Und ich erinnerte mich durchaus auch daran, dass ich versprochen hatte, zur Kinderparty einen „Kalten Hund“ mitzubringen. Die Zutaten waren da. Rechtzeitig aufgestanden, war ich auch (schließlich sitze ich normalerweise ohnehin jeden Morgen spätestens um 9 Uhr am Computer). Und dann wurde es elf, eins, drei, fünf und schließlich sieben Uhr abends. Und noch immer nix mit „Kalter Hund“. (Dabei weiß jede kindergeburtstagserprobte Mutter, dass dieses Küchlein über Nacht in den Kühlschrank muss …)
Es war aber auch zu verlockend, die Schuld dem Terminkalender zwischen die Seiten zu schieben. Pech nur, dass ich mir – in weiser Voraussicht (verflixt!) – diesen Freitag extra frei gehalten hatte: keine Termine, nicht ein einziger! Und auf einmal fiel mir ein, was ich Anfang der Woche irgendwo gelesen hatte über erfolgreiche Menschen, ihr Zeitmanagement und ihren Umgang mit Aufgaben, die sie zu erledigen haben.
Schlagartige war es mir peinlich, noch weiter nach Ausreden zu haschen. Oft nämlich nimmt es viel mehr Zeit in Anspruch, über eine Aufgabe nach- und drum herum zu denken, als sie einfach hinter sich zu bringen. Tja, und was soll ich dir sagen: Der „Kalte Hund“ war aber so was von flott fertig! Und bei der Gelegenheit erinnerte ich mich auch wieder an einige Grundsätze, die ich ganz am Anfang meiner Selbständigkeit mal gelernt hatte und die sich eigentlich auf so ziemlich jeden Lebensbereich anwenden lassen (nicht nur auf`s Kuchenbacken zum Kindergeburtstag):
1. Warte nicht bis auf den letzten Drücker
Etwas erst in letzter Minute zu erledigen, erhöht die Wahrscheinlichkeit von Fehlern und verursacht doppelt so viel Stress. Planung und Ausführung sind zwei verschiedene Paar Schuhe. In deinem Kalender „Artikel über Zeitmanagement“ einzutragen, ist eine Sache. Diesen Artikel dann aber tatsächlich auch zu SCHREIBEN, ist noch mal eine ganz andere Hausnummer. (Und manchmal sind wir versucht, uns für unheimlich fleißig zu halten … dabei ist nur unser Smartphone-Kalender gut organisiert.)
2. Sich drücken, kostet viel mehr Energie
Nicht selten wächst sich eine eigentlich gar nicht aufsehenerregende Pflichtübung zu einem wahren Himalaya-Gebirge an Problematiken aus, wenn wir sie nur lange genug vor uns herschieben. Aber eigentlich können uns im Leben schon genügend Ereignisse überraschen, da müssen wir uns nicht auch noch durch die regelmäßige Veröffentlichung von Blogartikeln oder die jährliche Steuererklärung das Leben schwer machen lassen, nicht wahr? Irgendwie gibt es da jedoch in den meisten von uns so einen Schelm, der uns weismachen will, dass wir uns aus unseren Pflichten herauswinden können, wenn wir sie nur eindringlich genug ignorieren.
3. „Ich hab keine Zeit“ ist meist Augenwischerei
Seien wir ehrlich – auf der einen Seite schaffen wir es spielend, uns bei YouTube stundenlang witzige Tiervideos reinzuziehen. Nur, um uns dann aber einreden zu wollen, dass es einfach nicht zu machen ist, das eBook zu schreiben, das wir eigentlich schon so lange in der gedanklichen Schublade liegen haben. Statt mal eben die paar Zutaten für meinen „Kalten Hund“ zusammen zu rühren und in den Kühlschrank zu stellen, hatte ich im Internet gesurft und 7 eMails beantwortet. Ergo: Es geht meistens gar nicht darum, dass du keine Zeit hast. Es geht nur darum, WIE du deine Zeit NUTZT. Wir kämpfen wie verrückt mit den Aufgaben, die erledigt werden wollen. Dabei gibt es uns immer ein besonders gutes Gefühl, wenn wir gerade solche Aufgaben dann schließlich doch geschafft haben.
4. Lüg dir nicht selbst in die Tasche
Nur so zum Spaß – verbringe mal ein paar Tage damit, dich selbst zu beobachten, wie du mit deiner Zeit umgehst. Wahrscheinlich wirst du überrascht sein (vielleicht auch erschrocken). Geht es um größere, wirklich zeitaufwendige Vorhaben, hilft es oft schon, diese Vorhaben in kleinere, einfacher zu bewältigende „Häppchen“ zu zerlegen. Beispiel: Steht dir mal wieder die Steuererklärung ins Haus, fang damit an, erst mal nur die Unterlagen dafür zusammen zu sammeln.
Nimm dir dafür jeden Tag zehn Minuten Zeit. Wirklich, was sind zehn Minuten! Das wird sich – auch bei noch so viel Widerwillen gegen die Steuererklärung an sich – ganz sicher einrichten lassen. (Glaub mir, ich habe damit auch so meine Erfahrungen …). Und noch ein Tipp: Sei nachsichtig mit dir. Je mehr du mit dir selbst schimpfst, umso mehr bremst du dich aus.
5. Produktivität braucht ’ne entspannte Atmosphäre
Ob es nun darum geht, einen „Kalten Hund“ zum Kindergeburtstag fertig zu kriegen oder die nächste Lektion für einen Business-Kurs, sieh zu, dass du den Job schaffst, BEVOR sich der innere Widerstand gegen den Job breit macht. Die Zeit vergeht so oder so – ob du sie nun vertrödelst oder sinnvoll nutzt, um deinen Zielen vielleicht wieder ein Stückchen näher zu kommen. Und: Nicht alles, was du tust, muss „perfekt“ sein. Manche Dinge müssen einfach nur getan werden.
