Wie du dir Ziele steckst, ohne dich verrückt zu machen – Teil 1

Mit Zielen ist das so eine Sache: Viele Leuten schreiben darüber und sagen dir, was für sie funktioniert, funktioniert zwangsläufig auch für alle anderen.
Tja, vielleicht tut es das. Vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls nicht so reibungslos, wie es dir versprochen wird.
Denken wir kurz nach über die Art der Ratschläge da draußen, wie sie dir all die wohlmeinenden Coaches, Marketinger und Autor*innen mit auf den Weg geben.
Und während wir über diese Ratschläge nachdenken, berücksichtigen wir mal folgende Fragen:
1. Ist deine Motivation die gleiche wie die der Ratgeber*innen?
2. Bist du genauso flexible, was deine Zeit und deine Möglichkeiten angeht?
3. Wirst du es genauso empfinden, wenn du deine Ziele nicht erreichst?
4. Ist dein Verständnis für komplexe Zusammenhänge genauso ausgeprägt?
5. Bist du genauso ehrgeizig?
6. Bekommst du genauso viel Unterstützung von deinem Umfeld?
7. Bist du bereit, die gleichen Opfer zu bringen?
Je nachdem, wie du diese sieben Fragen beantwortest – und das waren nur die wichtigsten – wird jeder Rat, der für deine Zielsetzung der richtige ist, womöglich ganz anders lauten.
Mit anderen Worten – du solltest erst einmal skeptisch sein, wenn dir jemand etwas verspricht wie „Top-Tipps, die garantiert auch für Sie funktionieren!“
Das „Eines-für-Alle“-Coaching funktioniert ebenso wenig, wie die „Eine-für-Alle“-Mode.
Du liest diesen Artikel, und ich weiß nicht, wer du bist. Darum kann ich dir auch nicht sagen, was für dich richtig ist und was nicht.
Allerdings kann ich dir sehr wohl sagen, wo Fallstricke lauern. (Leider gibt es nämlich ein paar.)
Unser wunderbar entwickeltes Gehirn ist unglücklicherweise noch ziemlich leicht in die Irre zu führen, wenn es darum geht, rationale und vernünftige Entscheidungen zu treffen. (Auch wenn uns oft genug etwas Anderes erzählt wird …) Und unsere Fähigkeit, vorherzusagen, wie sich Dinge wirklich entwickeln und wie es uns dann damit gehen wird, ist grundsätzlich IMMER mehr geleitet von Wunschdenken oder von Angst als von sachlicher Einschätzung.
(Denk nur daran, wie viele Menschen davon träumen, „reich und berühmt“ zu werden. Und dann sieh dir die an, die das tatsächlich erreicht haben …)
Was wir also in diesem ersten Teil und dem folgenden zweiten Teil tun wollen, ist ein paar der Fragen zu stellen, die dir dabei helfen sollen, Ziele, die lediglich aus einer bestimmten Situation heraus wie eine gute Idee wirken, von Zielen zu unterscheiden, die dich tatsächlich da hinbringen, wo du hinwillst.
Natürlich kann auch ich dir nicht garantieren, dass du nach dem Lesen dieser beiden Artikel „glücklich“ bist. Aber möglicherweise kann ich dazu beitragen, dass dir die eine oder andere Enttäuschung künftig erspart bleibt.
In meiner Zeit als Werbefrau habe ich viele meiner Kund*innen mit diesen Fragen zum Nachdenken angeregt. Es scheint ihnen geholfen zu haben. Du bekommst diese Fragen heute, ohne mich dafür stundenweise bezahlen zu müssen …
Fangen wir also an mit der ersten Frage:
Hat dieses Ziel eine „Extra-Magie“?
Wenn du ein Ziel erreichst, das dir versprochen wurde, ist bei genauer Betrachtung oft das Erreichte das einzige Ziel.
Wenn es dein Ziel ist, dass 10.000 Menschen auf deiner Mailing-Liste stehen, hast du eine schön große eMail-Liste.
Wenn es dein Ziel ist, 30 Pfund Gewicht zu verlieren, bist du hinterher 30 Pfund leichter.
Wenn es dein Ziel ist, einen Online-Shop einzurichten, wirst du irgendwann Sachen im Internet anbieten, die Menschen kaufen können. Das ist dann aber auch alles, was dir am Ende als Ziel winkt.
Wenn du eine Liste von 10.000 Personen aufbaust, kannst du endlich anfangen, „das große Geld“ zu machen. Natürlich kann dir das ernsthaft niemand versprechen. Aber allein die Tatsache, dass es in Aussicht gestellt wird, trägt dazu bei, dass solche Angebote gekauft werden.
Wenn du 30 Pfund abnehmen willst, so dass du attraktiver bist, steigen deine Chancen beim anderen Geschlecht. Auch das kann dir natürlich niemand garantieren. Aber viele Menschen werden sich nur wegen dieser Möglichkeit verleiten lassen, auf entsprechende Angebote aufzuspringen.
Wenn du einen Online-Shop mit Produkten füllst, kann dir niemand versprechen, dass du jeden Tag etwas verkaufst. Dazu gehört eine Menge mehr. Trotzdem funktioniert es wunderbar, wenn man Angebote rund um Online-Shops an den Mann oder die Frau bringen will.
Die Werbung hat uns aber gelehrt, dass sich Angebote rund um Zielsetzungen viel besser verkaufen lassen, wenn ein emotionaler Touch, etwas „Magisches“ mit der Zielsetzung verbunden wird. Weil die meisten Menschen davon ausgehen, dass sie dieses „Magische“ zusammen mit dem Ziel automatisch erreichen.
Soll das heißen, dass du dir keine Ziele setzen sollst?
An den Zielen an sich ist nicht falsch. Sie sind Teil einer Gleichung. Aber eben nur das: ein TEIL der Gleichung.
In Wahrheit spielen ganz andere Faktoren mit.
Die Magie eines Zieles entfaltet sich eben NICHT, nur weil du das Ziel erreicht hast.
Aber diese Wahrheit ist als Verkaufsargument wenig anziehend. (Ein Grund, warum viele Anbieter diesen Punkt lieber gar nicht erst erwähnen.)
Menschen davon zu überzeugen, etwas zu kaufen, ist viel einfacher, wenn es dabei um etwas geht, mit dessen Hilfe ihre Zukunft besser wird als es ihre Gegenwart ist. Und warum auch nicht? Ein Ziel, das eine solche Perspektive bietet, wäre für manchen die Antwort auf alle seine Gebete. Schließlich wünschen sich die meisten Menschen, das die Dinge für sie künftig besser sind.
Aber: Zu denken, dass „alles besser sein wird“, ist Wunschdenken.
Zu denken, „es wird besser“, ist schon näher dran, aber noch immer etwas, das dir niemand versprechen kann.
Möglicherweise hast du deine Liste mit 10.000 Abonnenten, aber der Markt-Führer oder ein Konkurrent schnappt dir ein Großteil des „Marktsegments“ weg, in dem du dich etabliert hast. Wäre vermutlich nicht das magische Ende, das du dir vorgestellt hast, oder?
Glaub nicht, dein Erfolg hinge allein davon ab, eine bestimmte Zahl zu erreichen oder ein bestimmtes Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Nein. Natürlich nicht. Aber bei deiner Zielsetzung solltest du immer auch deinen Verstand einschalten. Im Grunde ist das sogar der einzige Punkt, der WIRKLICH zählt.
Das heißt: Du solltest realistische Ziele und Wunschdenken voneinander trennen. (Träumen ist erlaubt, hat aber in deinen Planungen nichts zu suchen!)
Betrachte die Wachstumsraten deiner eMail-Liste einfach als Teil eines übergeordneten Plans, um mehr Geld zu verdienen.
Sieh die 30 Pfund Gewichtsverlust als Teil eines übergeordneten Plans, um attraktiver und gesünder zu werden.
Aber verwechsle Vorteile, die das Erreichen eines Zieles mit sich bringen KÖNNTE, nicht mit dem Ziel selbst.
Wenn du das schaffst, wird etwas Verblüffendes passieren – deine Ziele werden sich automatisch wandeln.
Natürlich beraubst du das Ziel damit eines Großteils seines Glanzes. Aber es wird zwangsläufig viel näher an seine tatsächliche Bedeutung heranrücken.
Wenn dir klar ist, dass 10.000 Leser für deine eMail-Liste zu gewinnen, nicht die einzige Voraussetzung dafür ist, um mehr Geld zu verdienen, musst du nicht mehr so verbissen darauf hinarbeiten und kannst deine Aufmerksamkeit auch anderen Teilen der Gleichung zuwenden.
Vielleicht wirst du jetzt denken: “Wow, da hab‘ ich nun jede Woche 10 Stunden mit Listbuilding verbracht. Ich sollte das auf 2 Stunden reduzieren und dafür mehr Zeit auf die Produktion von Demo-Videos verwenden. Womöglich kriege ich so schneller Interessenten für mein Angebot.“
Vielleicht wirst du jetzt denken: “Wow, 5x die Woche bin ich ins Fitness-Studio gerannt, um abzunehmen. Vielleicht reicht es, wenn ich 3x gehe und mich während der restlichen Zeit um neue Kontakte kümmere. Möglicherweise kriege ich die Aufmerksamkeit, die ich mir wünsche, auf diese Weise schneller.”
Vielleicht wirst du jetzt denken: “Wow, die ganze Zeit hab ich versucht, weitere 4 Produkte für meinen Online-Shop zu entwickeln. Aber vielleicht genügt es, wenn ich mich auf 2 beschränke und die restliche Zeit darauf verwende, die Rate meiner Kunden-Empfehlungen zu verbessern. Möglicherweise reicht das völlig, um meine Umsätze zu steigern.”
Tja, es stimmt:
Wenn du die Magie aus einem Ziel herausnimmst, ist es nicht mehr sexy.
Und das ist gut so. Wir denken viel klarer, wenn unser Gehirn nicht von irgendwelchen wundersamen Aussichten vernebelt wird.
Wirf einen Blick auf die Ziele, die für dich die wichtigsten sind, die Ziele, die dich nachts umtreiben mit dem Wunsch, du hättest sie schon erreicht. Entferne alles, was mit Wunschdenken zu tun hat und dann sieh dir an, was übrig geblieben ist. Sieh dir deine Ziele an als das, was sie wirklich sind – und was sie dir letztlich wirklich bringen werden. Dann sieh dir an, ob deine Ziele überarbeitet werden sollten.
Überprüfe dein größtes Ziel auf Wunschdenken
Viele Ziele haben irgendwas zu tun mit “Und dann bin ich endlich glücklich.” Viele Ziele haben irgendwas zu tun mit “Und dann bin ich endlich erfolgreich.” Viele Ziele haben irgendwas zu tun mit “Und dann wird [Namen einsetzen] mich endlich lieben/respektieren/bewundern.”
Egal, wer du bist oder was was du tust – es gibt wahrscheinlich kein Ziel, dessen Erreichung dir auch nur einen der drei oben genannten Punkte ermöglichen könnte.
Ob du glücklich bist, und was für dich „Erfolg“ bedeutet, ist deine eigene Entscheidung. Du steuerst das ganz allein.
Liebe, Respekt und Bewunderung anderer, ist allein deren Entscheidung. Das kannst du nicht steuern.
Nur das Erreichen irgendwelcher Ziele wird nichts davon passieren. Klar, das Erreichen von Zielen kann Teil der Gleichung sein. Aber du musst dich fragen, was – REALISTISCH BETRACHTET – dazu gehören würde, damit das, was du dir wünschst, wahr werden könnte.
Ganz schön deprimierend, dass bloßes Erreichen deiner Ziele keineswegs bedeutet, dass du kriegst, was du willst, nicht wahr?
Aber: Erkenntnis ist heilsam!
Wenn dir klar ist, dass Ziele die Dinge nicht AUTOMATISCH besser machen, wirst du nach und nach erkennen, was du selbst tun musst, damit die Dinge TATSÄCHLICH besser werden.
Und siehe da….! Plötzlich hast du einen Plan!
